Workout-Booster: Das Geschäft mit der Müdigkeit

Von Workout-Boostern solltest du die Finger lassen. Wir erklären dir weshalb. Und wir nennen dir eine Alternative.

Workout-Booster

„Milch macht müde Männer munter“ – so lautete mal ein Werbespruch der Molkerei-Industrie. Eine schöne Alliteration, aber wahr ist die Aussage nicht. Es ist nicht bekannt, dass Milch einen anregenden oder leistungssteigernden Effekt hätte.

Andere alltägliche Nahrungsmittel haben jedoch einen solchen Effekt: Koffeinhaltige Getränke zum Beispiel, wie Kaffee oder Tee. Sie dienen einer großen Zahl an Menschen als Muntermacher in allen Lebenslagen. Vielen Sportlern reicht es jedoch nicht, vor dem Training eine Tasse Tee zu trinken. Sie suchen Mittel und Wege, das Optimum aus jeder Trainingseinheit herauszuholen.


Insbesondere wenn das Training in den frühen Morgenstunden oder nach einem langen Arbeitstag stattfindet, funktioniert auch ein durchtrainierter Körper nicht immer so, wie er soll. Workout-Booster, gelegentlich auch Pre-Workout-Booster genannt, sollen dabei helfen, den Körper vorübergehend leistungsstärker zu machen und ein intensiveres Training zu ermöglichen. Sie werden vor dem Training eingenommen – in der Regel 20 bis 30 Minuten vor Trainingsbeginn.

Doch halten die Booster auch, was sie versprechen?

Das Problem mit Workout-Boostern

Die Hersteller von Workout-Boostern, die regulär auf dem deutschen Markt angeboten werden sollen, stehen vor einem Problem: Zwar kommen für die Rezeptur ihres Boosters eine ganze Menge an Inhaltsstoffen in Frage, die nachgewiesenermaßen eine leistungssteigernde Wirkung entfalten. Doch viele davon fallen in Deutschland unter das Arzneimittel- oder das Betäubungsmittelgesetz und dürfen freiverkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln deshalb nicht beigemischt werden.

Die Hersteller müssen deshalb auf jene Substanzen zurückgreifen, die alle anderen auch benutzen. Viele Workout-Booster enthalten zum Beispiel Koffein und Taurin. Taurin findest du auch in handelsüblichen Energy-Drinks. Ob Taurin eine leistungssteigernde Wirkung entfalten kann, ist noch nicht abschließend geklärt.

Das Koffein wirkt hingegen. Doch wieso auf Workout-Booster und zuckerhaltige Energy-Drinks zurückgreifen, wenn man Koffein zu sich nehmen will? Sinnvoller sind Getränke wie Tee oder Kaffee, die ebenfalls Koffein enthalten. Sie sind tendenziell gesündere und preisgünstigere Koffein-Quellen. Noch günstiger wird das Koffein, wenn du es in Tabletten- oder Pulverform erwirbst – zum Beispiel in der Apotheke deines Vertrauens.

Es gibt wenige Gründe, Workout-Booster wegen ihrer angeblich leistungssteigernden Wirkung zu kaufen. Die Hersteller wissen das natürlich. Sie haben deshalb Produkte entwickelt, die eine Vielzahl von Inhaltsstoffen enthalten und die eine Vielzahl von Effekten entfalten sollen. Sie sollen dich nicht nur leistungsstärker machen, sondern auch deinen „Pump“ erhöhen und bei der Regeneration helfen. Produkte dieser Art sind in der Regel eine Mischung aus wirkungsvollen und wirkungslosen Inhaltsstoffen. Die Schwächen des Produkts werden hinter geschickt formulierten Werbetexten versteckt. Und auch wenn einige Inhaltsstoffe tatsächlich sinnvoll sein mögen (zum Beispiel Kreatin und Koffein), lohnt der Kauf nicht. Denn du musst auch für die wirkungslosen Inhaltsstoffe bezahlen – ebenso gut kannst du dein Geld aus dem Fenster werfen.

Daher mein Ratschlag: Es kommt dich in den meisten Fällen günstiger, die jeweils wirkungsvollen Inhaltsstoffe getrennt einzukaufen.

Der Fall „Craze“

Völlig anders verhält es sich mit Importprodukten. Also Workout-Boostern, die aus dem Ausland importiert wurden – zum Beispiel aus den USA. Hierzulande bekannt sind Produkte wie Craze, Jack3d, Crack oder No-Xplode. Schon einige dieser Namen zeigen dir, in welche Richtung die Reise geht.

Produkte dieser Art sind oft unzureichend geprüft und enthalten gelegentlich Stoffe, die hierzulande nicht verkauft werden dürfen. Dadurch, dass solche mitunter auch in den Herkunftsländern illegalen Substanzen in den seltensten Fällen auf der Verpackung aufgeführt sind, tappt der Konsument im Dunkeln: Er kann nicht wissen, was er sich da gerade er einschmeißt. Es ist ihm nicht bekannt, ob diese Stoffe süchtig machen. Auch über die Folgen für seine Gesundheit bleibt er im Unklaren.

Keine Frage: Viele dieser Booster funktionieren. Der mittlerweile vom Markt genommene Booster Craze ist ein gutes Beispiel. Glaubte man den Meinungen zufriedener Kunden, dann war Craze so etwas wie ein Wundermittel. Du fandest auch auf deutschsprachigen Internetseiten eine Unmenge an zufriedenen Konsumenten und Bloggern. „Hab viel Positives von Craze gehört gehabt und habs jetzt paar Mal getestet und muss sagen, dass es wirklich extrem gut ist. Es … schlägt … von einer Sekunde auf die andere ein. Man ist einfach voll fokussiert und hat wirklich extrem viel Lust richtig zu trainieren. Einfach unbeschreiblich dieser Fokus“, schwärmte einer von ihnen. Woanders schrieb jemand: „Craze hat uns einen Pump gegeben, den wir nicht mehr missen möchten. Nach den Aufwärm-Sätzen fängt das Blut an zu sprudeln und versorgt die Muskeln optimal. Die Adern scheinen hervor und man ist ‚ready to go‘! … Craze gibt das Gefühl man könne Bäume ausreißen.“

Craze wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, zum Beispiel kürte es die populäre Seite Bodybuilding.com 2012 zum „Supplement of the Year“. Doch wie sich später herausstellte, war Craze kein gewöhnliches Nahrungsergänzungsmittel. Wissenschaftler der Elite-Universität Harvard hatten Craze untersucht und den Grund für die vermeintliche Wunderwirkung ausfindig gemacht: Das Supplement enthielt eine neuartige „Designerdroge“ namens N,alpha-Diethylphenylethylamin, eng verwandt mit Methamphetamin. Das vermeintliche Wundermittel Craze enthielt also eine illegale Droge, potenziell süchtig machend und potenziell gesundheitsschädlich.[1]

Erst eine unabhängige Untersuchung kritischer Wissenschaftler förderte diesen Skandal zu Tage. Weder die Lebensmittelaufsicht noch die Verkäufer von Craze hatten sich vorher darum gekümmert. Der Hersteller des Produkts, so schrieb später eine Zeitung, war indes kein Unbekannter: Der Besitzer der Firma hatte bereits einige Zeit im Gefängnis verbracht, weil er eine giftige Industriechemikalie als Abnehm-Mittel umverpackt hatte. Eine Frau war daran gestorben. Und zum Zeitpunkt der Craze-Enthüllung stand er bereits wieder wegen eines anderen Supplements vor Gericht. Es soll – wie Craze – eine gesundheitsschädliche Droge enthalten haben.[2]

Handelt es sich hierbei um einen Einzelfall? Wohl eher nicht. In den vergangenen Jahren sind immer wieder amerikanische Supplements entlarvt worden, die illegale Substanzen enthielten. Der Wissenschaftler Pieter Cohen spricht von „American Roulette“ und verweist auf die unzureichenden Kontrollen von Nahrungsergänzungsmitteln. Konsumenten haben keine Möglichkeit, die tatsächlichen Inhaltsstoffe des Produkts ihrer Wahl zu überprüfen. Im Zweifelsfall sind sie skrupellosen Herstellern deshalb ausgeliefert.[3]

Fazit: Eine Tasse Grüner Tee

Das Fazit kann nur lauten: Lass die Finger von den Workout-Boostern. Deine Gesundheit und dein Bankkonto werden es dir danken. Wenn du vor dem Training einen Schub benötigst, dann solltest du auf einen natürlichen Workout-Booster zurückgreifen: Grünen Tee.

Grüner Tee wirkt belebend, regt den Stoffwechsel an und fördert die Regeneration. Ein perfekter „Workout-Booster“!

Quellen

[1] http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/dta.1578/full
[2] http://www.bostonglobe.com/lifestyle/health-wellness/2013/10/13/craze-workout-booster-contains-banned-stimulant-harvard-study-finds/RdqaCrN6H2X5N6lk7192uJ/story.html
[3] http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMp0904768

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Bild: © blackday – Fotolia.com

4 Comments on "Workout-Booster: Das Geschäft mit der Müdigkeit"

  1. Hallo,
    kann diesen Bericht nur bestätigen. Ich habe selbst über ein halbes Jahr den Booster N.O. Xplode verwendet, bevor er dann auf einmal verboten wurde, wegen nicht zugelassener Zusammensetzung. Außerdem leiht man sich mit Boostern nur Energie aus, die einem später fehlt. Nach wochenlangem Training trotz Schlappheit mit Booster fiel ich erstmal in ein Loch. Fazit: Lieber auf den Körper hören, wenn er eine Pause braucht.

    Grüße Markus

  2. Selten so eine vernünftige Einschätzung gelesen. Bitte mehr davon.
    Das solch ein Dreck auch noch Preise gewinnt zeigt doch nur in welchem Wahn sich die Leute befinden und welchem Leistungsterror sie sich da aussetzen.

  3. Sebastian Niedermaier | 26. November 2016 at 12:52 | Antworten

    Ziemlicher Schwachsinn meiner Meinung nach booster enthalten nicht nur Koffein und Taurin welche eine Wirkung haben sondern weitaus mehr wie beta-alanin usw. Ausserdem muss man nicht mit den ach so gefährlichen boostern aus Amerika kommen denn nur wer die wirklich will und weiß welchen Effekt die haben wird die auch extra aus Amerika bestellen ausserdem gibt es jack3d in der damaligen Form garnichtmehr. Und wenn man vor dem Sport eine Tasse Kaffee trinkt spürt man einen Effekt der in keinster weise an den eines boosters ran kommt ich glaube nicht dass der Autor jemals einen guten booster probiert hat.

    • Professor Muscles | 4. Dezember 2016 at 15:01 | Antworten

      Hallo Sebastian, danke für deinen Kommentar! Was Beta-Alanin und andere Inhaltsstoffe betrifft, schreiben wir in unserem Artikel: „Es kommt dich in den meisten Fällen günstiger, die jeweils wirkungsvollen Inhaltsstoffe getrennt einzukaufen.“

      Am „American Roulette“ mit importierten Boostern kann teilnehmen wer will, uns ist unsere Gesundheit dazu zu schade. Zumal man sich die Frage stellen sollte, wieso man dann nicht gleich auf hierzulande rezeptpflichtige Arzneimittel als Workout-Booster zurückgreift, deren Wirkstoffe und Nebenwirkungen wenigstens bekannt sind.

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