Supplements: Die Welt der Nahrungsergänzungsmittel

Die Welt der Nahrungsergänzungsmittel ist eine Scheinwelt. Unter den Herstellern gibt es viele schwarze Schafe, die weitgehend wirkungslose oder potenziell gesundheitsschädliche Produkte im Sortiment haben. Wir geben dir einen Einblick in diese Welt.

Supplements: Die Welt der Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel (Englisch: Supplements) sind in der Bodybuilding-Szene omnipräsent. Du kannst sie im Internet kaufen, in speziellen Fachgeschäften, wahrscheinlich auch an der Theke deines Fitnessstudios. In Fitness-Magazinen, Fitness-Blogs und auf YouTube werden sie als Wundermittel angepriesen. Doch die Wahrheit ist: Die meisten Supplements halten nicht, was sie versprechen. Sie werden empfohlen, weil ihr Verkauf sehr lukrativ ist. Billige Zutaten, schick verpackt und teuer verkauft. Einen Teil des Profits bekommen oft diejenigen ausgezahlt, die euch das jeweilige Supplement empfohlen haben. Sie denken an ihr Bankkonto, nicht an deinen Trainingserfolg oder deine Gesundheit.

Deshalb ein allgemeiner Ratschlag: Wenn dir jemand ein Supplement empfiehlt, solltest du immer zuerst danach fragen, ob er am Verkauf mitverdient.


Klar: Es gibt einige Supplements, die wirklich etwas bringen – Whey-Protein oder Kreatin zum Beispiel. Es gibt seriöse Hersteller, die hochwertige Produkte anbieten, und es gibt oft gute Gründe, diese Produkte zu empfehlen. Aber die Realität sieht regelmäßig anders aus.

Und wirklich unverzichtbar ist kein Supplement.

Falsche Versprechen

Die Hersteller schlechter Supplements müssen viel Geld in Marketing investieren, um ihre Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen. Dazu greifen sie in der Regel auf drei Werbetricks zurück. Es sind die gleichen Tricks, mit denen auch teure Trainings- und Diätprogramme beworben werden.

1. Der erste Trick sind Versprechungen der Sorte „Verliere 20 Kilo in 4 Wochen“, „Zum Sixpack in 14 Tagen“ oder „Garantierter Erfolg!“. Diese sind ausnahmslos irreführend oder falsch. Denn es ist nicht möglich, solche Vorhersagen zu machen. Einerseits weil jeder Körper anders auf Trainingsreize oder Ernährungsumstellungen reagiert. Allgemeine Aussagen dieser Art sind unmöglich. Andererseits weil diese Versprechungen oft auf absurde Weise übertrieben sind. Wer dir Versprechungen dieser Art macht, betreibt kein seriöses Marketing. Du solltest dies als Anhaltspunkt dafür nehmen, dass auch mit seinem Produkt etwas nicht stimmen könnte.

2. Der zweite Trick sind Vorher-Nachher-Bilder. Du kennst diese Masche: Auf dem ersten Bild siehst du eine Person, die den Bauch rauspresst und die Schultern hängen lässt. Auf dem zweiten Bild siehst du die gleiche Person: Braungebrannt, muskulös – ein scheinbar makelloser Körper, von einem professionellen Fotografen in Szene gesetzt. Schon die Inszenierung dieser Fotos macht klar, dass du verschaukelt werden sollst. Wie viel Zeit zwischen den Bildern liegt und was die abgebildete Person in der Zwischenzeit für ihren Traumkörper getan hat, das wirst du nie erfahren.

3. Der dritte Trick ist, dass viele Supplement-Hersteller professionelle Bodybuilder und YouTube-Stars als Werbefiguren für ihre Supplements auftreten lassen. Dass diese oft Anabolika und andere Dopingmittel konsumieren, um ihre Trainingsziele zu erreichen, wird dabei verschwiegen. Stattdessen erwecken die Fotos und Werbetexte den Eindruck, die Bodybuilder hätten ihre muskulösen Körper dem angepriesenen Wunderpulver zu verdanken. Auf diese Masche solltest du nicht reinfallen.

Prinzipiell lässt sich festhalten: Wer ein Produkt anbietet, das tatsächlich etwas bewirkt, der muss nicht auf solche Tricks zurückgreifen. Seriöse Supplement-Hersteller betreiben seriöses Marketing.

Mangelnde Prüfung und mangelndes Problembewusstsein

Die gesetzlichen Vorschriften für Nahrungsergänzungsmittel sind lückenhaft. Dies betrifft nicht nur das Marketing, sondern auch die Inhaltsstoffe und deren Kennzeichnung. Bei den Bodybuilding-Supplements gibt es zwei Gruppen:

Zur ersten Gruppe gehören Supplements, die hierzulande zugelassen sind. Diese unterliegen dem Lebensmittelrecht und dürfen zum Beispiel keine Inhaltsstoffe mit arzneimittelähnlicher Wirkung beinhalten. Solche Supplements bekommst du in Geschäften, Fitnessstudios oder seriösen Onlineshops. Viele Supplements dieser Provenienz sind durchaus empfehlenswert. Großer Reibach wird aber auch mit Produkten gemacht, die keinen ernsthaften Nutzen haben. Sie wurden erfunden, um die Gewinnspannen zu erhöhen.

Zur zweiten Gruppe gehören Supplements, die aus dem Ausland importiert wurden – zum Beispiel aus den USA. Diese sind zumeist unzureichend geprüft. Gelegentlich enthalten sie Stoffe, die hierzulande nicht verkauft werden dürften. Enthalten sie auch gesundheitsschädliche oder auf der Verpackung nicht angegebene Inhaltsstoffe? Oft gibt es keine unabhängige Instanz, die das kontrolliert.

Bei vielen Käufern solcher Nahrungsergänzungsmittel existiert leider kein Problembewusstsein. Sie wollen Ergebnisse – das ist oberste Priorität.

Ein gutes Beispiel sind die populären Workout-Booster. Diese werden vor dem Training eingenommen und sollen eine leistungssteigernde Wirkung entfalten. Es gibt sie in Pulver- und Tablettenform. Viele dieser Workout-Booster wirken nicht besser als eine Tasse Kaffee wirken würde – sie sind aber natürlich wesentlich teurer. Wenn du diese Booster kaufst, wirfst du dein Geld zum Fenster raus. Andere Workout-Booster beschädigen hingegen nicht nur deinen Kontostand, sondern potenziell auch deine Gesundheit.

In den USA waren mehrere Jahre lang Workout-Booster auf dem Markt, die illegale Substanzen wie N,alpha-Diethylphenylethylamin enthielten. Es handelt sich bei dieser Substanz, so die Aussage einiger Wissenschaftler der Elite-Universität Harvard, um eine neuartige „Designerdroge“ – potenziell süchtig machend und potenziell gesundheitsschädlich. Erst nach einiger öffentlicher Aufregung wurden diese Supplements aus dem Verkehr gezogen und die Hersteller, die ihren Kunden die Beimischung dieser Substanz verschwiegen hatten, bestraft. Bis dahin waren diese Workout-Booster auch in Deutschland populär. Umtriebige Händler hatten die vermeintlichen Wundermittel aus Übersee importiert.

Einen Artikel, in dem wir uns ausführlicher mit Workout-Boostern auseinandersetzen, findest du hier.

Fazit

In der Wohlstandsgesellschaft ist selbstständiges Denken keine Überlebensvoraussetzung mehr. Wenn du in die Schattenwelt der Nahrungsergänzungsmittel hinabsteigst, solltest du dein Gehirn jedoch einschalten. Hier gibt es zwar durchaus gute Produkte und seriöse Hersteller, aber auch eine Herde schwarzer Schafe und eine Vielzahl nutzloser Lügenpulver.

Die Welt der Nahrungsergänzungsmittel ist eine Scheinwelt. Sei dir dessen bewusst, dass es viele unseriöse Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln gibt. Sie machen falsche Versprechungen und wecken falsche Erwartungen. Die schlechtesten Produkte sind zumeist die, die am lautstärksten als Wundermittel angepriesen werden. Auf solche Werbestrategien solltest du nicht hereinfallen.

Achte außerdem auf die Inhaltsstoffe der Supplements. Enthalten sie auch wirklich Stoffe, die nachgewiesenermaßen einen positiven Effekt auf dein Training haben? Enthalten sie möglicherweise Stoffe, die deine Gesundheit gefährden? Versuche diese Fragen zufriedenstellend zu beantworten, bevor du eine Kaufentscheidung triffst.

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Bild: © theartofphoto / ocskaymark – Fotolia.com

5 Comments on "Supplements: Die Welt der Nahrungsergänzungsmittel"

  1. Hey,

    super Seite super beiträge ! Welche Ergänzungen mit hersteller usw könnt ihr den nun wirklich empfehlen für einen (wieder)-Einsteiger?

    Michael

  2. Professor Muscles | 19. Juni 2014 at 18:10 | Antworten

    Hallo Michael,
    vielen Dank für das Lob! Wir planen derzeit eine Artikelserie, in denen wir sinnvolle Supplements vorstellen und Kaufempfehlungen abgeben. Die Artikel aus dieser Serie werden nach und nach erscheinen.

    Als Einsteiger oder Wiedereinsteiger würde ich dir ganz allgemein empfehlen, den Fokus zunächst auf dein Trainings und deine Ernährung zu legen. Denn diese beiden Punkte haben bei den meisten Einsteigern einen hohen Optimierungsbedarf.

    Mehr Informationen dann in den folgenden Artikeln! 🙂

  3. Super Artikel! das ganze Supplementgeschmeiße find ich schon ne Weile recht nervig

  4. Toller Beitrag. Bringt es genau auf den Punkt.

    Ich selber habe (leider) schon sicher 1000de Euro für sinnlose und vor allem wirkungslose Supplements ausgegeben.

    Man muss ja nur die Muscle&Fitness durchblättern. Auf jeder Seite Werbung mit Profis die irgend ein Superpulverchen bewerben das sie angeblich so muskulös gemacht hat. Aber die Wahrheit ist, dass diese Athleten (wenn man diese Schwindler denn so nennen darf) auf so viel Stoff sind das es sogar ein Pferd umhauen würde.

    Gesunde eiweißreiche Ernährung und vielleicht ein gutes Mehrkomponenteneiweiß oder Whey Eiweiß für die Zeit nach dem Training… und mehr braucht man nicht! Spart euch alle das Geld oder wenn ihr wirklich richtig Mukkis wollt und die Risiken in Kauf nehmt greift zur Spritze und nehmt Anabolika.

    fg
    Natural Pumper Ley

  5. Hallo,
    ich kann mich nur anschließen. Immer mal wieder hab ich den Drang auf gewissen Shop-Seiten rumzusurfen und frage mich wie wohl dieses oder jenes Supplements mein Trainig verbessern könnte.

    Die einfache Wahrheit ist: Es ist völlig egal ob der Kram wirklich wirkt, die paar Prozent mehr Leistung, wenn überhaupt, kosten übermäßig viel Geld.

    Kosteneffizient und -effektiv ist Kreatin und Eiweiß. Hier sind die Hersteller auch fast völlig Schnuppe, individuelle Verträglichkeit ist der entscheidene Faktor.

    Ich selber nehme Eiweiß von Mammut (weil sehr günstig) und Creatin von PEAK weil ich es gut vertrage.

    Wer was anders nimmt, schön, ist eh kaum Unterschied. Ohja, klar dieser und jener Hersteller ist besonders gut und die biologische Wertigkeit…

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